Interview mit Bernhard Otti, MBA zum Thema Social Media:

Einsatzmöglichkeiten, Chancen, Risiken sowie zukünftige Entwicklungen.

Das Gespräch führte Frau Magdalena Neubauer – Studentin an der FH Wiener Neustadt “Wirtschaftsberatung und Unternehmensführung” im Rahmen ihrer Diplomarbeit “Personalmanagement und Organisationsentwicklung” am 12.01.2001

Wie betrachten Sie das Thema Social Media aus der Sicht des Personalisten? 

Wir nutzen Social Media für unsere Zwecke: Personalbeschaffung, Marketing, Aufbau von Netzwerken mit Unternehmen und Bewerbern. Das Unternehmen Otti & Partner ist seit 12 Jahren am Personalberatermarkt tätig und hat bereits sehr früh begonnen, eine eigene Homepage zu konzipieren und kontinuierlich auszubauen. Vor rund 3 Jahren ist das Thema Social Media für die Personalsuche interessant geworden. Den Anfang machte das Business-Portal XING, gefolgt von facebook (dzt. 600 Follower) und schließlich twitter (dzt. 900 Follower).

Seit Mitte 2010 finden Interessierte alle relevanten Informationen rund um das Thema Recruiting auf den oben genannten Plattformen sowie einem Blog, wo regelmäßig neue Beiträge über die Arbeitswelt gepostet werden. Die Zugriffe auf die Homepage über facebook und twitter ist in den letzten Monaten massiv angestiegen und der Trend hält an.

Otti Social Networks – das Beziehungsgeflecht als Mehrwert für Bewerber und Unternehmen – gewinnt also kontinuierlich an Bedeutung. Während sich Bewerber vor einigen Jahren bei ihrer Jobsuche auf Inserate in Printmedien konzentrierten, ist der Trend mittlerweile zur Nutzung von Online-Jobbörsen und Social Media gegangen. Dennoch wäre es ein Fehler, klassische Zeitungsinserate zu vernachlässigen. Otti&Partner achtet auf einen guten Mix aller Kommunikationskanäle, um die unterschiedlichen Zielgruppen optimal zu erreichen. 

Welche Gefahren sehen Sie bei der Nutzung von Social Media? 

Manche Leute sind sehr naiv und stellen private Dinge ins Netz. Genauso wie man einen Führerschein macht und sich an gewisse Regeln hält, sollte man sich beim Umgang mit Social Media an Regeln halten. Aufklärung der Jugendlichen über Möglichkeiten und Fallstricke wäre wünschenswert, insbesondere im Rahmen des Schulunterrichts. 

Wenn Sie ein Foto auf facebook entdecken, das den Bewerber/die Bewerberin in alkoholisiertem Zustand zeigt, ist dies ein Ausschlusskriterium? 

Nein auf keinen Fall, das Gesamtbild des Bewerbers ist wichtig. Es kommt auf die Gestaltung des Lebenslaufs an, Zeugnisse, Referenzen, Berufserfahrung, das Verhalten während des Bewerbungsgesprächs, die Persönlichkeit, der sprachliche Ausdruck. Statements in Social Media sind Mosaiksteine, die Arbeit des Personalisten besteht darin, sich ein aussagekräftiges Bild vom Ganzen zu machen.

Wie betrachten Sie den Stellenwert von Social Media in österreichischen Unternehmen? 

Meiner Meinung nach beziehen österreichische Unternehmen Web 2.0 immer mehr in die Kommunikation ein, ich schätze, dass der Prozentsatz zwischen 20 und 30 liegt. Große Skepsis orte ich bei Personalberatern. Keiner weiß, wohin der Weg tatsächlich führen wird. Möglicherweise wird facebook durch ein neues Medium ersetzt werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Kooperation mit professionellen Social-Media-Beratern absolut notwendig ist, gerade in der Anfangsphase, jedoch auch später begleitend. 

Vor welchen Fehlern möchten Sie Neueinsteiger warnen? 

Um das Beispiel facebook zu nehmen: ein Privat-Account sollte nie für Firmen-Infos genutzt werden. Es empfiehlt sich, Privates und Berufliches zu trennen.

Die Nutzung von Social Media ist mir einem enormen Zeitaufwand verbunden, dazu kommen die Kosten für Berater. Folgen Sie also nicht dem Prinzip “Trial and Error”, sondern verfassen Sie klare Pläne und Strategien zur Nutzung inklusive passendem Zeitbudget.  

Wie lautet Ihre Zukunftsprognose? 

Social Media befinden sich weiterhin auf Wachstumskurs und spielen eine immer größer werdende Rolle im gesellschaftliche Leben. Die Entwicklung der einzelnen Plattformen hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab, neue Netzwerke werden dazukommen, andere in der Bedeutungslosigkeit versinken. Sie werden jedenfalls fixer Bestandteil unseres Lebens werden und die Änderung der Gesellschaftsstrukturen begleiten. 

 

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