Studie: Lebenslanges Lernen lässt Österreicher kalt

Die Monster Jobwechsler Studie 2013 bringt spannende Erkenntnisse. Trotz Krise bleibt Anzahl der Wechselwilligen konstant bei etwa einem Fünftel. An Weiterbildung denken hingegen die Wenigsten: Die Mehrheit der Österreicher ignoriert lebenslanges Lernen!



In Sachen Wechselwilligkeit ist bei den österreichischen Arbeitnehmern ein sehr stabiles Meinungsklima festzustellen. Knapp ein Fünftel der unselbstständig Erwerbstätigen hat in den letzten Monaten schon einmal an einen Jobwechsel gedacht, bei drei Viertel war dies in dieser Zeitspanne noch nicht der Fall. Es sind naturgemäß eher jüngere Mitarbeiter betroffen, ältere brauchen mehr Sicherheit und finden schwerer neue Stellen.

Mehr als ein Drittel der Jobwechselaffinen denkt wöchentlich an Wechsel, drei Fünftel etwas seltener. Hauptmotiv für einen Wechsel ist das Gehalt – vor allem bei Männnern. Auf einer weiteren Ebene folgt, sich beruflich weiterentwickeln zu wollen, etwas Neues auszuprobieren oder weiter aufzusteigen. Danach folgen Betriebsklima, fehlende Weiterentwicklung oder Anerkennung.

Als Umfrage-Schwerpunkt wurde diesmal Weiterbildung gewählt – mit schockierenden Ergebnissen: Jeder zweite Erwerbstätige hat sich in den letzten zwei Jahren nicht weitergebildet, weder innerhalb noch außerhalb des Unternehmens, etwa am BFI, WIFI, oder Volkshochschulen. Zwei Fünftel der Erwerbstätigen haben generell kein Interesse an Weiterbildung!

Bedenkliches Bildungsgefälle
Deutlich sichtbar wird dabei das Bildungsgefälle: Während über 60 Prozent der Menschen mit einfacher Schulbildung angeben, keine Kurse, Schulungen usw. durchgeführt zu haben, liegt dieser Wert bei Maturanten und Uniabsolventen bei nur 36 Prozent. Weiters ist auch die Betriebsgröße ausschlaggebend für Weiterbildung. In Firmen mit einer höheren Mitarbeiterzahl haben immerhin 47 Prozent an Weiterbildungskursen teilgenommen.

Kosten trägt meist der Arbeitgeber
Dabei kommen auf den Arbeitnehmer nur selten Kosten zu: Den größten Anteil an den Weiterbildungskosten, über 80% der Gesamtausgaben, trägt der Arbeitgeber. Arbeitnehmer sind sich der Gesamtkosten bewusst und tragen zumindest ein knappes Fünftel der Kurskosten.

Kategorische Bildungsverweigerer
Ein Drittel schließt die Teilnahme an einer Weiterbildung in den kommenden Jahren kategorisch aus. Sie geben vor allem an, dass die Notwendigkeit dafür nicht gegeben sei. Als weitere Gründe werden die Zufriedenheit mit der eigenen Ausbildung genannt, die fehlende Zeit und der fehlende finanzielle Spielraum für die Kosten einer Weiterbildung.

Fazit: Österreicher sind im Durchschnitt mit ihrem Ausbildungsstand viel zu zufrieden, wie auch andere Studien zeigen. Hier muss noch einige Überzeugungsarbeit geleistet werden, speziell in den extrem wichtigen Klein- und Mittelbetrieben, die die tragende Säule unserer Wirtschaft sind.

Über die Studie
Für die repräsentative Studie wurde bereits zum zweiten Mal in Folge die Stimmungslage unter den unselbstständig Erwerbstätigen in Österreich erhoben. Insgesamt wurden im Oktober/November 2012 1.000 Österreicher aufwändig Face-to-Face befragt, davon 489 Unselbstständige.

1 Comment

  1. Das Ergebnis dieser Studie ist erschütternd!

    Es bestätigt jedoch meine Erfahrung im Bildungsbereich. Betriebliche Weiterbildung wird seitens der Arbeitnehmer selten geschätzt und auch die Eigenverantwortung des Lernens wird oft nicht wahrgenommen.
    Dem gegenüber steht, daß meine Erfahrung andererseits ist, daß wenn man seine Weiterbildung selber beszahlt (wenn der Arbeitergeber nicht dazu bereit ist), wird dies seitens des Chefs und der Kollegen auch nicht positiv aufgenommen…

    Diese schlechte Stimmung gegenüber lebenslangem Lernen prägt unsere ganze Gesellschaft in Österreich und es müsste auf mehereren Ebenen angefangen werden, dem entgegen zu wirken. Hier sind einserseits die Politiker und gleichzeitig jeder einzelne Mensch dafür verantwortlich!

    In diesem Sinne wünsche ich mir, daß Lernen als positive Persönlichkeitsentwicklung wieder wahrgenommen wird!

    Charlotta

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