Flexibilität am Arbeitsmarkt 1: Karriereleiter hat ausgedient

Die Zeiten, als Arbeitnehmer jung in eine Firma eingestiegen sind, und bis zur Pension die Karriereleiter hinaufstiegen, sind vorbei. Mittlerweile hat es sich zum Normalfall entwickelt, dass man alle zwei Jahre das Unternehmen wechselt.

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Auch die klassischen Karrieren basierend auf der Ausbildung haben ausgedient. Durch die häufigen Wechsel finden sich die Arbeitnehmer auch in den unterschiedlichsten Positionen und entwickeln sich über die Jahre zu Allroundern. Oft arbeiten sie dann in Bereichen, die sie sich in der Vergangenheit selbst nie vorstellen konnten.

So landen gelernte Tourismusmanager als Selbstständige im Schuhhandel oder Marketing-Absolventen sind Corporate Affairs Manager in einem Lebensmittelkonzern.

Typisch für die Berufswege heutiger Arbeitnehmer ist, dass sie keinen vorgezeichneten Weg in einem Unternehmen gehen, dort Schritt für Schritt aufsteigen, sondern zahlreiche Haken schlagen und in neuen Branchen angefangen haben. Trotzdem können sich solche „Karrrieren“ durchaus als erfolgreich bezeichnen.

Beate Huber, Leiterin des Instituts für Personal und Organisation der FH Wien der Wirtschaftskammer: „Die klassische Karriereleiter ist schon fünfzig Jahre her. Ein Leben lang im gleichen Unternehmen zu bleiben und dort aufzusteigen war ein Idealbild der Grosseltern-Generation.“ Es sei aber ein Mythos gewesen, dass die Mehrheit nie den Arbeitsplatz gewechselt habe. „Patchwork-Karrieren hat es früher auch gegeben, nur hat man das damals nicht so wahrgenommen.“

Huber betrachtet es aber kritisch, dass die Intervalle der Jobwechsel immer kürzer werden. Es wird als normal betrachtet, zwei jahre in einem Unternehmen zu bleiben, und sich dann ein neues zu suchen. „Ich halte das für zu kurz. Zwei Jahre braucht man schon, um ein Unternehmen richtig kennenzulernen.“

Unternehmensseitig dürfte das aber nicht forciert werden, da die Fluktuationen finanzielle Verluste nach sich ziehen. Jeder neue Mitarbeiter muss erst gesucht und gefunden werden, dann folgt eine intensive Einarbeitungsphase, das kostet viel Zeit und Geld.

Die Wechselbestrebungen gehen in erster Linie von den Arbeitnehmern aus. Diese sind zwar sehr interessiert daran, sichere Arbeitsplätze zu haben, wollen sich aber auch wirtschaftlich und persönlich weiterntwickeln, so Christian Korunka, Professor am Institut für Angewandte Psychologie, Arbeit, Bildung und Wirtschaft an der Uni Wien. „Es ist messbar, dass Bindungen geringer werden. Es gibt auch einen Trend zu zeitlicher Flexibilisierung.“

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