Studie: Akademiker mit Migrationshintergrund haben es schwerer am Arbeitsmarkt

Laut einer Studie des Soziologie-Institutes der Universität Wien sind knapp 20 Prozent der Erwerbstätigen mit Migrationshintergrund Akademiker. Sie haben es aber schwerer, einen Job zu finden.

131113_Studie_AkademikerMigrationshintergrund

Noch vor 15 Jahren war der Anteil an akademisch gebildeten Migranten verschwindend gering, das hat sich stark geändert. Vor allem in der Gruppe der 25- bis 35-jährigen ist der Anteil hoch. Trotz ihrer Ausbildung müssen diese Akademiker doppelt so viele Bewerbungen schreiben als Nicht-Migranten, bis sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Zusätzlich müssen sie doppelt so oft zu Vorstellungsgesprächen kommen, um einen Job angeboten zu bekommen.

Das hat das Team der Universität Wien unter Projektleiter Roland Verwiebe, Vorstand des Instituts für Soziologie, herausgefunden, als es Details Berufseinstieg und Berufsverlauf genauer untersucht hat. Zwar gibt es dann kaum Unterschiede bei der Qualität der Jobs oder der Bezahlung, es fällt aber auf, dass Akademiker ohne Migrationshintergrund eher unbefristete Verträge erhalten, Migranten dafür öfter als freie Dienstnehmer beschäftigt sind oder sich selbstständig machen. Leitende Tätigkeiten oder Stellen in der öffentlichen Verwaltung sind für sie ebenfalls sehr schwer zu erreichen.

Projektleiter Verwiebe fand ausserdem heraus, dass Migranten nach einer sehr intensiven Suchphase oft in internationalen Unternehmen unterkommen und dort auch entsprechend ihrer Qualifikation bezahlt werden sowie gute Aufstiegschancen haben. Dazu Verwiebe: „Es sind Unternehmen, die den kulturellen Hintergrund nicht nur akzeptieren, sondern als interkulturelle Kompetenz schätzen.“

Weiters seien die Akademiker mit Migrationshintergrund auffallend selbstbewusst und ehrgeizig und würden ihre Karriere systematisch und genau planen. Eine massive strukturelle Diskriminierung sehe Verwiebe aber nicht, dennoch falle auf, dass die Arbeitslosigkeit unter Akademikern mit Migrationshintergrund mehr als doppelt so hoch ist als unter Österreichern.

Schreibe einen Kommentar