Doing business in Europa (Teil 1 von 4)

Im folgenden soll als erster von 4 Teilen kurz beschrieben werden wie ein Unternehmen Waren in Europa verkaufen kann ohne in Europa eine Betriebsstätte oder eine Gesellschaft zu gründen.

Verkauf von Waren in Europa ohne Gründung einer Betriebsstätte oder einer Tochtergesellschaft

In Europa macht es einen großen Unterschied in welchem Land der Kunde ansässig ist, konkret ob der Kunde aus einem Land kommt, das Mitglied der Europäischen Union ist oder nicht. Derzeit sind folgende Länder Mitglieder der Europäischen Union (EU):

Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn, Vereinigtes Königreich, Zypern .

Im folgenden soll nur der Warenverkauf in EU-Länder beschrieben werden, da der Handel mit den anderen europäischen Ländern sehr stark unterschiedlich und in der Regel in bilateralen Abkommen geregelt ist. Länder, die nicht Mitglied der EU sind, werden als Drittländer bezeichnet.

Im Folgenden wird auf Zollvorschriften und auf allfällige Importbeschränkungen, die es zB für Lebensmittel, Medikamente, Kosmetika oder gefährliche Stoffe gibt, nicht eingegangen. Gerne bearbeiten wir Einzelanfragen zu diesen Themen.

Direktversand vs. Warenlager in EU

Stammen die Kunden aus einem EU-Land so ist prinzipiell zu klären, ob die Waren direkt vom Drittland zum Kunden geliefert werden oder ob das Unternehmen ein Warenlager in der EU hat von wo aus die Waren an die Kunden verschickt werden.

Werden die Waren aus dem Drittland direkt an den EU-Kunden verschickt, so ist zu beachten, dass beim Import Einfuhrumsatzsteuer (zwischen 10% und 24% vom Warenwert, abhängig vom Produkt und vom Importland) und eventuell Zoll anfällt. Ist der Kunde ein Unternehmen, so wird der Kunde mit dem Zoll und der Einfuhrumsatzsteuer belastet und er kann sich die Einfuhrumsatzsteuer bei der nächsten Umsatzsteuermeldung wieder vom Finanzamt zurück holen. Der Zoll kann nicht zurück geholt werden. Der Zoll ist somit ein Kostenfaktor. Die Einfuhrumsatzsteuer ist bei unternehmerischen Kunden kein Kostenfaktor.

Unternehmer? Ja? Nein?

Man unterscheidet nur zwischen zwei Arten von Kunden, nämlich Unternehmer oder Nichtunternehmer. Zu den Nichtunternehmern gehören Privatpersonen, aber auch staatliche Stellen und viele NGOs. Ob ein Kunde Unternehmer ist oder nicht, erkennt man am Vorhandensein einer sogenannten ‘Umsatzsteueridentifikationsnummer’. Bitte unbedingt den Kunden danach fragen.

Werden die Waren an Nichtunternehmer verkauft und die Waren direkt vom Drittland an den Kunden geliefert, fällt ebenso wie bei der Lieferung an Unternehmer Einfuhrumsatzsteuer und eventuell Zoll an. Im Falle der Lieferung an Nichtunternehmer wird das lateinamerikanische Unternehmen mit der Einfuhrumsatzsteuer und dem Zoll belastet und beide sind Kostenfaktoren und somit in den Verkaufspreis einzurechnen.

Fiskalvertreter sinnvoll

Für den Handel mit Waren aus dem Drittland an Nichtunternehmer benötigt das Unternehmen einen sogenannten Fiskalvertreter in einem EU-Land, welcher in der Regel ein Steuerberater ist. Der Fiskalvertreter fungiert als Kontaktstelle für die veschiedenen EU-Behörden. Er gibt den Behörden die Geschäftsaufnahme des Drittlandunternehmens bekannt, registriert dieses also, und meldet die einzelnen Umsätze in 1 Monats- oder 3 Monatsabständen und in einer Jahressteuererklärung und sorgt dafür, dass die Einfuhrumsatzsteuer und eventuell auch der Zoll korrekt an die Behörden (Zollbehörde, Finanzamt) vom Unternehmen überwiesen werden.

Soll die Waren von einem Zentrallager aus an die Kunden transportiert werden, so werden die Waren ebenfalls beim erstmaligen Eintritt in die EU verzollt und der Einfuhrumsatzsteuer unterworfen und können dann ohne weitere Zollformalitäten an die einzelnen Kunden in alle EU- Länder ausgeliefert werden. Der Fiskalvertreter soll in diesem Fall am sinnvollsten aus dem Land stammen, in welchem sich das Lager befindet. Der Vorteil eines Lagers besteht darin, dass die Waren rasch an die Endkunden geliefert werden können. Der Nachteil sind die mit dem Lager verbundenen Kosten und das Risiko, dass eingelagerte Waren nicht verkauft werden können.

Es ist daher zu empfehlen mit Direktlieferungen zu beginnen, um die Marktakzeptanz der Waren zu testen oder sich der Leistungen von Unternehmen zu bedienen, die gegen eine Gebühr die Waren einlagern, Bestellungen entgegen nehmen und ausliefern. Auch im Fall der Nutzung von diesen Serviceunternehmen wird ein Fiskalvertreter gebraucht. Gerne steht unser Unternehmen dafür zur Verfügung. Näheres siehe unter www.tax-austria.com.

Ich freue mich über Ihre Kontaktaufnahme unter otti@tax-austria.at.

Ihre Renate Otti, Steuerberater und Inhaber von Tax Austria

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