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New Work – oder: Komm´ gemma g´schwind auf einen Kaffee

Mein Geschäftspartner und ich mussten soeben schmunzeln: Er in seinem Büro, ich im Homeoffice. Beide treffen wir einander auf einer Online-Businessplattform. Dort verlassen wir in der Pause die Bühne einer virtuellen Informationsveranstaltung mit beinahe hunderten Besuchern. Wir ziehen uns auf ein Plauscherl in einen (wiederum virtuellen) Extraraum zurück. „Gemma auf einen Kaffee!“, so die zeitgleiche Aufforderung, sich kurz vom Schreibtischsessel zu erheben und mal geschwind einen Kaffee aus der eigenen Kaffeemaschine zu brauen. Ein auch für mich in der IT-Branche amüsantes, ungewöhnliches und neues Arbeiten. Und … tatsächlich ein Fortschritt!

Für vielleicht viele überraschend: New Work ist ein gar nicht so neuer Begriff. Er beschreibt einen schon vor vielen Jahren angestoßenen Prozess, der die Arbeitswelt, unsere Strukturen und Arbeitsgewohnheiten nach und nach verändert hat.

Besonders heute erfahren wir alle eine neue Dynamik und eine schier grenzenlose Flexibilität in unserem Arbeitsalltag. Es ist der Umgang mit unseren Kolleg*Innen und Geschäftspartnern. Es sind die Technologien, die den Arbeitsplatz komplett verändert haben.

Der Ursprung von New Work

Geprägt wurde New Work ursprünglich vom österreichisch-US-amerikanischen Philosophen Frithjof Bergmann. Bereits in den 80er Jahren erforschte er kritisch die Arbeitswelt unter der sozialistischen und kommunistischen Führung und verglich sie mit der vom Kapitalismus geprägten westlichen Welt und Industrialisierung.

Auf Basis dieser Erfahrungen entstanden mehrere Thesen.

Allen voran die Aussage, dass in der Neuen Arbeitswelt Selbstständigkeit und persönliche Freiheit im Vordergrund stehen. Das Teilhaben an der Gemeinschaft sei ein wesentlicher Bestandteil einer modernen Arbeitsweise. Die klassische Erwerbsarbeit bekomme einen weit höheren Stellenwert. Es solle eine Arbeit sein, mit der man sich emotional verbunden fühlt.

Die seinerzeit richtungsweisenden Vorstellungen von einer neuen Arbeitswelt lassen sich selbstverständlich auch noch wunderbar in die heutige Zeit übertragen. Denn wer möchte nicht eine den eigenen Fähigkeiten und Begabungen entsprechende Arbeit?

Ist es nicht ein großartiger Gedanke, dass unser Broterwerb uns tagtäglich erfüllt und Freude bereitet?

Das von Bergmann vor vielen Jahren geprägte New Work brach mit den bekannten Grundsätzen und Denkweisen der alten Arbeitswelt unserer Industrie- und Leistungsgesellschaft.

Und welche Bedeutung hat New Work auf unsere Welt der Digitalisierung und Globalisierung?

New Work und unsere heutige Arbeitsform

Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung. Zwei Worte, die sich nur wenige Arbeitnehmer*innen vorstellen können. Oder könnte das doch funktionieren? Oder zumindest irgendwie?

Es ist das Abschütteln der Paradigmen, die uns in der Arbeitswelt so sehr geprägt haben. Wir erleben besonders heute durch Corona einen Wandel im Job auf vielfältige Weise. Homeoffice war für bestimmte Branchen bis vor Kurzem absolut undenkbar. Neue Technologien in der Digitalisierung ermöglichen neue Arbeitsmethoden. Sei es in der Mobilität, bei der Kommunikation, dem Wissensaustausch, der Teamarbeit oder dem Networking. Auch künstliche Intelligenz und IoT (Internet of Things) werden langsam nicht nur in unseren Haushalten zum Selbstverständnis, sondern unterstützen bei vielen Arbeits- und Informationsprozessen.

Schritt halten mit den neuen Arbeitsformen

Wie wichtig ist es für viele von uns, gewohnte Pfade zu verlassen. Es ist gerade jetzt die richtige Zeit, sich dafür zu rüsten, was nach der Corona-Krise folgt. Das gilt für Unternehmen ebenso, wie für jeden Einzelnen. Die technischen Werkzeuge und Voraussetzungen dafür gibt es bereits in weiten Bereichen. Der IT-Markt boomt, wie selten zuvor. Wir erfahren parallel komplett neue soziale Umgangs- und Kommunikationsformen und ein neues Bewusstsein für unsere Umwelt.

Lernen wir mit der Unbekümmertheit und Selbstverständnis eines Jugendlichen, mit den neuen (digitalen) Möglichkeiten der Arbeitswelt umzugehen. Der Mut zur Aus- und Weiterbildung im Umgang mit den neuen Medien ist gerade jetzt wichtiger denn je. Kaum eine Branche wird davon unberührt bleiben.

Es wird ein Lernprozess sein, der uns alle wachsen lässt. Und ein Prozess, der unser gesamtes Arbeitsumfeld, unser soziales Bewusstsein und unser Work-Life-Balance sehr stark beeinflussen wird.

Eines bin ich mir ziemlich sicher … den Kaffee kochen müssen wir noch weiterhin selbst. Darum erhebe ich mich nun erneut von meinem Sessel. Anschließend gehe ich mit dem Bruder eine Runde walken. Um danach wieder fit und frei zu sein für neue berufliche Herausforderungen.

Autor: Walter Bach, IT-Consultant & Unternehmensberater

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